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“Really happy to be here”

“Really happy to be here”

Traunreut (mix). Seit September helfen in den Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten junge Menschen aus ganz verschiedenen Ländern mit. Diese Tätigkeit läuft im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes und des Europäischen Freiwilligendienstes. Drei von ihnen, die in den Werkstätten in Traunreut beschäftigt sind, berichten nach den ersten beiden Monaten über ihre Erfahrungen. Von Anfang an seien sie von den in den Werkstätten arbeitenden Menschen mit Behinderung offen aufgenommen worden, so ein erstes Fazit, und trotz Sprachschwierigkeiten verstünden sie sich bestens mit ihnen.

Baldo Perdomo Garcia stammt aus Valladolid in Spanien, Mohamed Ben Nasser aus Sousse in Tunesien, und Gonca Ari ist in Ankara in der Türkei zu Hause. Die drei helfen in verschiedenen Gruppen der Lebenshilfe-Werkstätten in Traunreut, sind bei der Verpackung unterschiedlicher Produkte mit dabei, nehmen an begleitenden Maßnahmen und Freizeitaktivitäten der Mitarbeiter teil, machen, kurz gesagt, alles, was so anfällt.

Ihre erlernten Berufe und ihre Fähigkeiten können sie dabei jeweils mit einbringen. Gonca Ari ist Physiotherapeutin und hilft bei der konduktiven Förderung nach Petö für erwachsene Menschen mit geistiger und schwerstmehrfacher Behinderung mit. Der gelernte Klempner Mohamed Ben Nasser greift dem Hausmeister unter die Arme, und Baldo Perdomo Garcia hat als gelernter Grafiker schon Flyer, Weihnachtskarten und das Programm für die begleitenden Maßnahmen mit entworfen.

Geschäftsführer Wolfgang Enderle freut sich über die Vielseitigkeit der europäischen Freiwilligen: “Sie bringen ganz neue Sichtweisen in die Gruppen ein und geben neue Impulse.” Die Menschen mit Behinderung in den Gruppen seien sehr offen und auch neugierig auf die Kultur und die Herkunftsländer der Freiwilligen. Ganz schnell seien sie miteinander in Kontakt gekommen, und dank der großen Offenheit auf beiden Seiten sei schnell ein Vertrauensverhältnis entstanden. Enderle: “Die Bereitschaft unserer Mitarbeiter mit Behinderung, sich auf Neues einzulassen, ist sehr groß. Ihre Neugierde ist nicht zu unterschätzen.”

Die jungen Leute aus den fremden Ländern müssen die deutsche Sprache zwar erst noch lernen und besuchen dazu einen vhs-Kurs. Dennoch kommen sie auch ohne große Deutschkenntnisse gut mit den Mitarbeitern in den Werkstätten zurecht. Gonca Ari erzählt auf Englisch, weil ihr diese Sprache noch leichter fällt, dass sie mit ein paar einfachen deutschen Ausdrücken, mit Händen und Füßen kommuniziere und sich auch ohne viel Worte mit den Menschen verstehe. Auch Baldo Perdomo Garcia hat nur gute Erfahrungen gemacht. Die Mitarbeiter hätten ihm zu Beginn seiner Tätigkeit anschaulich vorgemacht, was er zu tun habe, und seien immer sehr hilfsbereit, wenn er etwas nicht genau wisse.

Nach zwei Monaten in den Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten sind sich alle drei einig, dass sie es gut getroffen haben in Traunreut. Bei einem Seminar mit anderen Europäischen Freiwilligen hätten sie gehört, dass es nicht an allen Arbeitsstellen so gut laufe. Die junge Türkin bezeichnet es als großes Glück, hier sein zu dürfen.

Der Tunesier, der zum ersten Mal überhaupt in Europa ist, sei zwar zunächst etwas skeptisch gewesen, fühle sich aber inzwischen sehr wohl und gut aufgehoben, berichtet er. Und der Spanier ist “really happy to be here” und hat schon jetzt beschlossen, dass er nicht nur die zunächst geplanten zwölf Monate, sondern 18 Monate bleiben will.

In ihrer Freizeit erkundeten die Freiwilligen auch schon ein wenig die Umgebung, besuchten Rosenheim, Wasserburg, Salzburg und natürlich München mit dem Oktoberfest. Für Geschäftsführer Enderle ist es von Vorteil, dass gleich sechs ausländische Freiwillige gleichzeitig ihren Dienst leisten, da sie sich gegenseitig stützen können und nicht einer ganz auf sich allein gestellt ist.

Text: Pia Mix, Traunreuter Anzeiger

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