Projekt „EQF meets ECVET“ – Klaus Steiner sehr interessiert

Projekt „EQF meets ECVET“ – Klaus Steiner sehr interessiert

Projekt „EQF meets ECVET“ – Klaus Steiner sehr interessiert

Bei der nationalen Abschlussveranstaltung des Projektes berichtete Melanie Biertempfel (Mitte) von ihrer Arbeit als Industrie-Näherin. Mit im Bild Projektleiterin Marlies Krumböhmer und CLW-Geschäftsführer Dr. Jens Maceiczyk – Foto: Pia Mix

Gleiche Chance auf Arbeit für alle

Zwei Jahre lang lief das europäische Projekt „EQF meets ECVET“, mit Hilfe dessen das Bildungssystem in Deutschland und Europa offener gemacht werden soll. Vor allem sollte der Bildungsmarkt den Zugang für staatlich anerkannte Ausbildungen auch für diejenigen öffnen, die ihre Bildung in Werkstätten für behinderte Menschen in Anspruch nehmen. Sie sollten eine möglichst genaue Qualifizierung ihrer Tätigkeit erlangen und damit bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bekommen können. Am Projekt beteiligt waren unter anderem die Chiemgau Lebenshilfe Werkstätten und die nationale Abschlussveranstaltung fand nun auch in Traunreut statt.
Für Menschen mit einer ausgeprägten Lernbehinderung ist es schwierig, eine anerkannte Berufsausbildung zu machen. Ohne anerkanntes Zeugnis ist es wiederum fast unmöglich, einen Arbeitsplatz zu finden. Sie sind daher trotz ihrer Fähigkeiten oft vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Damit alle gleiche Chancen auf Arbeit haben, ist Bildung wichtig. Und zwar alle Arten von Bildung. Darum soll es für diesen Personenkreis leichter werden, eine Berufsausbildung zu machen und auch am lebenslangen Lernen teilzunehmen. Die Berufsausbildungen müssen besser zu den Bedürfnissen dieser Lernenden passen, so die Forderung des Projektes. Gelernt wird nicht nur in der Schule, sondern zum Beispiel auch in einem Kurs, in einem Arbeitstraining, in einem Praktikum oder durch Zuschauen. Und eben diese Lernergebnisse sollen in Zukunft offiziell anerkannt werden durch den Nationalen Qualifikationsrahmen. Eine solche Anerkennung führte zu mehr Chancengleichheit für die Lernenden, die zum Beispiel keine Lehre machen können.
Projektleiterin Marlies Krumböhmer erläuterte bei der Veranstaltung am Montag: „Lernende einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung erhalten derzeit keine offizielle Anerkennung für ihre Lernmotivation und ihr Können. Das ist diskriminierend.“ Sie nennt auch den Grund dafür: „Weil Menschen, die in einer Werkstatt lernen, angeblich ‚nicht ausbildungsfähig‘ sind, weil Werkstätten
für Menschen mit Behinderung keine anerkannten Ausbildungsstätten sind. Und weil die Ausbildungsgesetze noch nicht passend  für Menschen mit einer größeren Lernbehinderung sind.“ Es sollte aber gelten: „Jede und Jeder darf das lernen, was sie oder er auch schaffen kann. Jede und jeder darf sich aussuchen, was sie oder er lernen möchte. Jede und jeder darf so lange lernen,
wie sie oder er dazu braucht.“ Die Möglichkeit einer Ausbildung, die in kleinere Teile beziehungsweise Module zerlegt ist, könnte diesen Lernenden helfen. „Egal wie lange jemand nun für das Lernen braucht. Es geht immer darum: nach und nach mehr zu wissen, nach und nach mehr zu können, nach und nach selbstständiger zu werden. Und wenn es ein Leben lang dauert“, betonte die Projektleiterin. Die Beteiligten am Projekt erarbeiteten ein Modulsystem, bei dem in kleineren Schritten Lernergebnisse erzielt und festgehalten werden können. Bei der Abschlussveranstaltung diese Woche zeigte Melanie Biertempfel, eine Lernende im Bereich Deutsche Industrie-Näherin in der Werkstätte in Traunreut, wie ihre tägliche Arbeit aussieht und welche Module vorgesehen sind.
Der Landtagsabgeordnete Klaus Steiner besuchte die Veranstaltung in Traunreut ebenfalls kurz und zeigte sich sehr interessiert an den Modulen für eine nonformale Bildung in den Werkstätten.

Begriffserklärung:
Der Europäische Qualifikationsrahmen (EQF) ist eine Initiative der Europäischen Union, der berufliche Qualifikationen und Kompetenzen in Europa vergleichbarer machen soll. ECVET (European Credit System for Vocational Education and Training) ist ein System zur Ansammlung, Übertragung und Anrechnung von Leistungspunkten in der beruflichen Aus- und Weiterbildung.

19.10.2015 – Traunreuter Anzeiger/Bericht Pia Mix

 

26.10.2015

Großes Interesse an dem Projekt „EQF meets ECVET“ zeigte Landtagsabgeordneter Klaus Steiner nach der Abschlussveranstaltung. Um mehr zu diesem Thema zu erfahren, kam er einige Tage später zu einem ausführlichen Gespräch in die Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten GmbH und ließ sich von Geschäftsführer Dr. Jens Maceiczyk  und der Projektleiterin Marlies Krumböhmer die Möglichkeiten, die das Projekt bietet, ausführlich erklären.