Weckworte – Mit Poesie die Lebensfreude erwecken

Weckworte – Mit Poesie die Lebensfreude erwecken

In den Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten GmbH, Nordwerkstatt, Bodelschwinghstraße 2, Traunreut fand am 18. Juli 2016 ein Workshop im Rahmen der Chiemgauer Kulturtage mit Slam-Poet Lars Ruppel statt; organisiert von der Lebenshilfe e.V.

Frau Mix/Traunreuter Anzeiger berichtete am 20. Juli 2016 darüber: 

Weckworte, Pia Mix, 18.07.2016 verkl.

Der Slam-Poet Lars Ruppel zeigte in einem Workshop, wie man mit Gedichten Menschen mit Demenz oder geistiger Behinderung erreichen kann.

Traunreut. In einem Workshop im Rahmen der Chiemgauer Kulturtage zeigte der Slam-Poet Lars Ruppel den Teilnehmern, wie man Gedichte für Menschen mit Alzheimer oder geistiger Behinderung vorträgt. Er hat das Alzheimer Poesie Projekt „Weckworte“ ins Leben gerufen und hilft damit Pflegepersonal, Angehörigen oder einfach Interessierten, einen Zugang zu diesem Personenkreis zu finden und dabei Spaß zu haben.

Die Teilnehmer am Workshop waren Ehrenamtliche, die sich in der Betreuung von Senioren oder Menschen mit Behinderung engagieren, Hauptamtliche der Lebenshilfe Traunstein, Schüler und einfach interessierte Zuhörer. Lars Ruppel erläuterte ihnen zunächst seinen Werdegang und seine Einstellung zur Sprache sowie zur Poesie. Der 31-Jährige ist dreimaliger deutscher Poetry Slam Meister und beherrscht den Umgang mit Worten und Reimen hervorragend. Er ist der Meinung: „Wir Erwachsenen haben verlernt, mit der Sprache zu spielen.“ Er wolle aber die Freude an der Sprache und am Sprachrhythmus wieder neu wecken und vermitteln. Schon kleine Kinder wüchsen ja mit Reimen auf und lernten so spielerisch den Umgang mit Worten. Dies gehe jedoch im Lauf des Lebens verloren. Umso wichtiger sei es, die Lust daran wieder neu zu entdecken. Durch Workshops, die er unter anderem in Pflegeeinrichtungen hielt, wurde Lars Ruppel auf ein ganz neues Betätigungsfeld aufmerksam und zeigt seitdem Pflegepersonal und Angehörigen, wie sie mit Poesie die Senioren „erwecken“ können. Klassische Gedichte, die man früher in der Schule gelernt hat, kennen sogar die alten Menschen mit Demenz in der Regel noch und werden hellhörig, wenn sie vorgetragen werden. Mit eigenen Gedichten könne man genauso das Interesse wecken, wenn sie entsprechend rezitiert werden, lebendig sind und Gefühle vermitteln. Von solchen neuen Impulsen in der Pflege könnten beide Teile profitieren, die alten Menschen, die dadurch wieder interessierter werden, und die Pflegenden, denen es selber Spaß macht. Und schließlich sei es für beide Teile eine schöne Abwechslung. Interesse an Gedichten und damit die Lebensfreude in Menschen mit Alzheimer oder geistigen Behinderungen wecken – das ist das Ziel von Weckworte.

Mit Senioren der Lebenshilfe probierten die Workshop-Teilnehmer gleich in der Praxis aus, was ihnen Lars Ruppel zuvor vermittelt hat. Sie konnten sich Gedichte aussuchen, die sie vortrugen. „Die Senioren haben sich toll darauf eingelassen, haben die Zeilen wiederholt und begeistert mitgemacht. Wir alle hatten viel Spaß dabei“, freute sich der Slam Poet am Ende über die gelungene Veranstaltung.            – mix